Der Entwurf versteht sich als Erweiterung des Mies van der Rohe Hauses, dem Haus Lemke und formuliert einen räumlichen Dialog zwischen Bestand und Neubau. Ziel ist es, mit dem Bestand nicht zu konkurrieren, sondern durch eine klare Ordnung und eine bewusste Setzung zu ergänzen. Zwischen dem Haus Lemke und dem neuen Baukörper wird ein verglaster Zwischenraum ausgebildet. Er fungiert als Schwelle und verbindendes Element zwischen Alt und Neu. Ein gepflasterter Weg führt von der Straße direkt auf den Eingang im Lichtgang zu und wird als Bodenbelag konsequent in diesen hinein fortgeführt. Dadurch bleibt der Lichtgang als Außenraum lesbar und verstärkt seinen Charakter als Zwischenzone. Der Hauptbaukörper ist als schlichter Riegel aus Sichtbeton ausgebildet und tritt in Kubatur & Materialität bewusst zurück. Die blauen Fensterrahmen nehmen Bezug auf die Farbigkeit des Hauses Lemke. Ein zentrales Element des Entwurfs ist die multifunktionale Wand, die den Hauptkörper vom Lichtgang trennt und gleichzeitig beide Bereiche trägt und organisiert. Sie dient nicht nur als konstruktives Element, sondern wird als räumlich wirksames Möbel verstanden. Durch gezielt gesetzte Öffnungen erschließt sie die einzelnen Räume, integriert Sitznischen sowie einen Bereich für den Museumsshop und strukturiert den Lichtgang als Aufenthalts- und Erschließungszone. Die Erschließung erfolgt ausschließlich über den Lichtgang. Beim Verlassen jedes Raumes öffnet sich der Blick erneut auf das Haus Lemke und stellt einen direkten visuellen Dialog zwischen beiden Gebäuden her. Gleichzeitig ermöglicht die große Fensterfront des Hauses Lemke den Blick in den Lichtgang und auf die Besucherbewegung. Durch die vielseitige Nutzung des Lichtgangs wird er zu einem Ort des Beobachtens und Verweilens. Der Entwurf folgt einer klaren symmetrischen Ordnung. Die Räume an den Stirnseiten sind gleich groß, während die Dauerausstellung, der zentrale Bereich, bewusst größer ausgebildet ist, um ihre hierarchische Bedeutung zu unterstreichen. Diese Ordnung setzt sich im Untergeschoss fort. Im Erdgeschoss befinden sich im nördlichen Teil des Gebäudes befindet sich neben der Garderobe das Mitarbeiterbüro. Daran anschließend folgt die Dauerausstellung als größter Raum des Gebäudes. Den Abschluss bildet das Café mit Bezug zum Garten. Unter der Dauerausstellung liegt im Untergeschoss der Veranstaltungsraum, der über eine direkte Treppenverbindung mit ihr verknüpft ist und somit die beiden Haupträume vertikal verbindet. Nebenräume wie WCs und Lager sind im Untergeschoss verortet. Vom Veranstaltungsraum aus besteht eine Austrittsmöglichkeit in den Innenhof. Über zwei Treppen mit integrierten Sitzstufen gelangt man sowohl in Richtung Straße als auch in den Garten. Der Rundgang setzt sich damit auch im Außenraum fort. Insgesamt verfolgt der Entwurf das Ziel, einen respektvollen Dialog mit dem Haus Lemke zu führen. Die Erweiterung schafft durch Symmetrie, klare Ordnung und Sichtbezug eine stimmige Ergänzung zum Bestand.