Claim the Campus ist ein studentisches Projekt, das im Rahmen des europäischen Programms Interspace und in Begleitung von STARS EU an der Hochschule Bremen entstanden ist. Gemeinsam mit sieben weiteren Architekturstudierenden habe ich mich mit der grundlegenden Frage beschäftigt, was ein Campus heute sein kann und wie wir ihn als sozialen Raum neu denken können.
Ausgangspunkt unserer Arbeit war der eigene Hochschulstandort, insbesondere der zentrale Vorplatz zwischen Eingang und Mensa. In der Analyse wurde schnell deutlich, dass dieser Raum zwar eine zentrale Funktion erfüllt, jedoch hauptsächlich als Durchgangszone genutzt wird und kaum Aufenthaltsqualität bietet. Trotz seiner Lage fehlt es ihm an Identität, Nutzungsmöglichkeiten und räumlicher Attraktivität.
Wir haben den Campus bewusst nicht als fertige Struktur verstanden, sondern als einen Raum, der durch seine Nutzer*innen aktiv angeeignet und verändert werden kann. Unser Ziel war es, diese Aneignung sichtbar zu machen und durch gezielte Interventionen neue Nutzungen anzustoßen.
Ein zentrales Element unseres Projekts war der mobile Wagen „Wander“, den wir als flexible Infrastruktur entwickelt haben. Er diente uns als Werkzeug, um Materialien, Möbel und Programme unkompliziert im Raum zu platzieren und verschiedene Szenarien zu testen.
Durch mehrere experimentelle Aktionen konnten wir den Campus temporär neu bespielen und erfahren, wie schnell sich Wahrnehmung und Nutzung eines Ortes verändern können. Für mich wurde dabei besonders deutlich, dass Architektur nicht nur im Entwurf entsteht, sondern vor allem durch Nutzung und Interaktion.
Vorplatz Hochschule Bremen (vorher)
Mit der ersten Intervention Play the Campus haben wir den Vorplatz bewusst spielerisch aktiviert. Unser Ziel war es, Hemmschwellen abzubauen und Menschen dazu einzuladen, den Raum anders zu nutzen als gewohnt.
Dafür haben wir vorhandene Ateliertische umfunktioniert und mit einfachen Netzen zu Tischtennis Platten erweitert. Ergänzend haben wir Sitzgelegenheiten geschaffen und Möglichkeiten angeboten, den Raum auch zum Essen oder Verweilen zu nutzen.
Ich habe dabei erlebt, wie schnell sich die Atmosphäre verändert, sobald ein Raum eine neue Nutzung anbietet. Menschen blieben stehen, wurden neugierig und begannen, den Ort aktiv zu nutzen.
Die Intervention hat gezeigt, dass es oft keine großen baulichen Maßnahmen braucht, sondern eher einfache, zugängliche Angebote. Für mich war besonders spannend zu beobachten, wie sich durch Spiel und Bewegung eine neue Form der Aneignung entwickelt hat.
Der zuvor rein funktionale Raum wurde temporär zu einem sozialen Treffpunkt, der Austausch und Interaktion ermöglicht hat.
Mit Green the Campus haben wir den Fokus gezielt auf die atmosphärische Qualität des Vorplatzes gelegt. Aufbauend auf den ersten Erkenntnissen wollten wir untersuchen, wie sich der Raum durch Begrünung und Aufenthaltsangebote verändern lässt.
Dafür haben wir den Wagen Wander mit Pflanzen, Sonnenschirmen und Sitzmöglichkeiten ausgestattet und den Platz temporär umgestaltet.
Ich habe dabei besonders wahrgenommen, wie stark sich die Wirkung des Ortes allein durch das Hinzufügen von Grün verändert hat. Der Raum wirkte ruhiger, einladender und deutlich menschlicher.
Menschen haben sich länger aufgehalten, Gespräche entstanden und der Platz wurde tatsächlich genutzt – nicht nur durchquert.
Die Intervention hat für mich gezeigt, dass selbst temporäre Maßnahmen eine große Wirkung entfalten können und dass Atmosphäre ein entscheidender Faktor für die Nutzung von Raum ist.
Im nächsten Schritt haben wir das Konzept mit Green the Campus – Indoor Edition nach innen übertragen und die Galerie im ersten Obergeschoss als neuen Ort untersucht.
Die Galerie ist ein großzügiger Raum, der im Alltag jedoch kaum genutzt wird und hauptsächlich für einzelne Veranstaltungen dient. Für uns war interessant zu sehen, welches Potenzial in diesem eher unbeachteten Ort steckt.
Durch das Einbringen von Pflanzen, Möbeln und temporären Strukturen haben wir versucht, auch hier eine neue Aufenthaltsqualität zu schaffen.
Ich habe dabei besonders spannend gefunden, wie sich die Wahrnehmung eines Innenraums durch vergleichsweise einfache Eingriffe verändern kann. Der Raum bekam plötzlich eine andere Stimmung und wurde zugänglicher.
Die Intervention hat verdeutlicht, dass nicht nur Außenräume, sondern auch innenliegende Flächen großes Potenzial für soziale Nutzung bieten.
Für mich war das ein wichtiger Schritt, um den Campus als zusammenhängendes System aus Innen- und Außenräumen zu verstehen.
Galerie, Hochschule Bremen
Mit Study the Campus haben wir die Galerie schließlich gezielt als Lern- und Arbeitsraum aktiviert. Unser Ansatz war es, eine alternative Arbeitsumgebung zu schaffen, die über klassische Lernräume hinausgeht.
Der Wagen Wander wurde dafür mit Stühlen, Tischen und technischen Elementen wie Steckdosen ausgestattet. So konnten wir flexibel Arbeitsplätze im Raum verteilen und eine neue Nutzung etablieren.
Ich habe dabei erlebt, wie schnell der Raum tatsächlich angenommen wurde. Studierende haben sich dort niedergelassen, gearbeitet und den Ort aktiv genutzt.
Besonders interessant war für mich die Beobachtung, dass durch die neue Nutzung auch eine andere Form von Konzentration und Austausch entstanden ist.
Die Galerie wurde dadurch von einem kaum genutzten Durchgangs- und Veranstaltungsraum zu einem lebendigen Lernort transformiert.
Für mich zeigt diese Intervention exemplarisch, wie durch gezielte, temporäre Eingriffe neue Raumprogramme entstehen können und wie flexibel Architektur im Gebrauch gedacht werden kann.